EU-Indien-Deal: Warum die Bauern bisher nicht protestieren und die USA scharfe Kritik üben
Die EU und Indien haben die "Mutter aller Deals" auf den Weg gebracht. DER STANDARD gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten
Verhandelt wurde zwar schon lange, doch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump dürfte dem Vorhaben zusätzlichen Schub verpasst haben: Am Dienstag präsentierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der indische Premierminister Narendra Modi die "Mutter aller Deals", wie die beiden das Abkommen bezeichneten. Neben einem verstärkten Handel wollen die EU und Indien auch in den Bereichen Sicherheit, Mobilität und Weltraum kooperieren. Der Deal muss auf beiden Seiten noch offiziell angenommen werden. In der EU sind nun EU-Parlament und EU-Rat am Zug.
Frage: Warum kommt es gerade jetzt zu diesem Abkommen?
Antwort: Beide Seiten suchen angesichts der geopolitischen Spannungen nach stabilen Handelspartnern, zudem wollen sie ihre Abhängigkeiten von China und den USA reduzieren. Indien stellt für die EU einen wachsenden Absatzmarkt dar sowie ein strategisches Gegengewicht zu China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Indien will sich stärker im globalen Handel einordnen und in die Wertschöpfungsketten integrieren. Man hofft auf steigende ausländische Investitionen, ohne den Markt gleich komplett zu öffnen.
Industrie profitiert
Frage: Welche konkreten Erleichterungen soll es im Handel geben?
Antwort: Laut EU-Kommission sollen bei 90 Prozent aller EU-Exporte die indischen Zölle entweder ganz gestrichen oder reduziert werden, das entspreche rund vier Milliarden Euro an Zöllen jedes Jahr. Im Fokus steht vor allem die Industrie. Ein paar Beispiele: Die Zölle für europäische Autos sollen für 250.000 Fahrzeuge pro Jahr von 110 Prozent auf zehn Prozent sinken. Die bisherigen Zölle von 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf chemische Erzeugnisse und elf Prozent auf Pharmazeutika sollen größtenteils ganz wegfallen. Die EU-Kommission erwartet sich dadurch eine Verdoppelung der Exporte nach Indien.
Frage: Welche europäischen Unternehmen profitieren?
Antwort: Das Abkommen dürfte vor allem europäischen Autobauern wie VW, BMW, Mercedes oder Renault in die Karten spielen. In den Chefetagen dieser Unternehmen begrüßte man den Abschluss. Vor allem in höherpreisigen Klassen ist Indien ein Wachstumsmarkt, der durch die Zölle bisher stark abgeschottet wurde.
www.derstandard.at
Die EU und Indien haben die "Mutter aller Deals" auf den Weg gebracht. DER STANDARD gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten
Verhandelt wurde zwar schon lange, doch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump dürfte dem Vorhaben zusätzlichen Schub verpasst haben: Am Dienstag präsentierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der indische Premierminister Narendra Modi die "Mutter aller Deals", wie die beiden das Abkommen bezeichneten. Neben einem verstärkten Handel wollen die EU und Indien auch in den Bereichen Sicherheit, Mobilität und Weltraum kooperieren. Der Deal muss auf beiden Seiten noch offiziell angenommen werden. In der EU sind nun EU-Parlament und EU-Rat am Zug.
Frage: Warum kommt es gerade jetzt zu diesem Abkommen?
Antwort: Beide Seiten suchen angesichts der geopolitischen Spannungen nach stabilen Handelspartnern, zudem wollen sie ihre Abhängigkeiten von China und den USA reduzieren. Indien stellt für die EU einen wachsenden Absatzmarkt dar sowie ein strategisches Gegengewicht zu China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Indien will sich stärker im globalen Handel einordnen und in die Wertschöpfungsketten integrieren. Man hofft auf steigende ausländische Investitionen, ohne den Markt gleich komplett zu öffnen.
Industrie profitiert
Frage: Welche konkreten Erleichterungen soll es im Handel geben?
Antwort: Laut EU-Kommission sollen bei 90 Prozent aller EU-Exporte die indischen Zölle entweder ganz gestrichen oder reduziert werden, das entspreche rund vier Milliarden Euro an Zöllen jedes Jahr. Im Fokus steht vor allem die Industrie. Ein paar Beispiele: Die Zölle für europäische Autos sollen für 250.000 Fahrzeuge pro Jahr von 110 Prozent auf zehn Prozent sinken. Die bisherigen Zölle von 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf chemische Erzeugnisse und elf Prozent auf Pharmazeutika sollen größtenteils ganz wegfallen. Die EU-Kommission erwartet sich dadurch eine Verdoppelung der Exporte nach Indien.
Frage: Welche europäischen Unternehmen profitieren?
Antwort: Das Abkommen dürfte vor allem europäischen Autobauern wie VW, BMW, Mercedes oder Renault in die Karten spielen. In den Chefetagen dieser Unternehmen begrüßte man den Abschluss. Vor allem in höherpreisigen Klassen ist Indien ein Wachstumsmarkt, der durch die Zölle bisher stark abgeschottet wurde.
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