Religion
Die Kurden fühlen sich seit dem Einzug des Islam ins kurdische Gebiet als Opfer dieser Religion. Schon im Sherefname ist zu lesen, dass bereits Prophet Mohammed einen kurdischen Mîr, der Mohammed seine Dienste anbot, denunzierte[1]. Wahrscheinlich ist diese Geschichte von Sharaf A-din erfunden, da er die Opfertheorie publik machen wollte.
Ein halbes Jahrhundert später beklagte der Dichter und Denker
Ehmedê Xanî, dass die Kurden durch Religion zum Spielball der Mächte, von denen sie eingegrenzt waren, wurden, was sich bis heute nicht geändert hat. E. Xanî erzählt von den Kämpfen zwischen Sunni- und
Qizilbash-Kurden während des osmanisch-safavidischen Krieges. In dem er die verschiedenen Gruppierungen des Islam als Sekten bezeichnet, kann man schon erkennen, dass er den Islam für die Spaltung der Kurden mit verantwortlich macht. Die kurdischen Nationalisten haben diesen Gedanken von Xanî übernommen und bis heute beibehalten.
Mit der Entwicklung des modernen kurdischen
Nationalismus, begannen einige Kreise in Kurdistan von einem islamlosen Kurdistan zu träumen. Damit müsste natürlich auch der Islam, der seit Jahrhunderten ein wichtiger Teil des kurdischen Gesellschaft geworden ist, aus dieser getilgt werden. Das Grundfundament dieses absurden Gedankens differenziert sich kaum noch von der Ideologie der Neo-Nazis. Wie die westlichen Nationalisten ihrer vorchristliche Mythologie eine Renaissance verliehen, sollen nun die Kurden lediglich ihre ursprünglichen Götter anbeten und verehren. Ein Bespiel hierfür wäre die kurdische Zeitschrift
Hawar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Leserschaft aufforderte sich zum Yezidentum zu bekennen, welche sie als Nachfahren der
Zardusht ansahen. Das Titelblatt ihrer ersten beiden Ausgaben schmückten sie noch mit Bildern zweier berühmter kurdisch muslimischer Feldherrn,
Karim Khan Zand, eine wichtige schiitische Persönlichkeit[2], und
Saladin, eine sunnitische Persönlichkeit, die sie später als Verräter abstempelten. So wurden Saladins Soldaten, die für den Islam kämpften, als Jash[3] bezeichnet, heute ist dies noch eine Bezeichnung für die Kurucus[4]. Bezeichnend hierbei ist jedoch, dass Saladins Armee aus Türken bestand, da die gerufenen kurdischen Mirs ihre Hilfe ablehnten.[5]
Dieser Nationalismus zieht sich wie ein roter Faden bis in die heutige kurdische Kultur. So sucht man krampfhaft bei den
Aleviten nach Wurzeln der Religion um Zardusht, was auch für die Yeziden und Yarsanisten gilt. Laut ihrer These haben sich diese Gruppen die urkurdische Religion beibehalten und gelten gegenüber den muslimischen Kurden als „wahren“ Kurden, was natürlich die muslimische Kurden, die die klare Mehrheit in Kurdistan darstellen, herabsetzt.
Man geht dabei sogar soweit, Relikte der „alten kurdischen“ Religion um Zardusht zu erfinden, wie zum Beispiel 1930 Dr. Said Khan-i
Kurdistani. Er trat mit einem Lederstück an die Öffentlichkeit, dessen Original allerdings bis heute nie gefunden wurde, dass beweisen sollte, dass die Kurden gewaltsam islamisiert wurden.
Anzumerken sei hier aber, dass die Religion um Zerdusht nicht als die ursprüngliche Religion der Kurden anzusehen ist, da die Kurden ursprünglich Nomaden waren und diese Religion das sesshaftwerden der Stämme befürwortet und den Ackerbau als höchste Gut ansah.[6] Im Gegensatz dazu steht der Islam dem der Ackerbau , Aussaat, Anbau und Ernte nach dem Stand der Gestirne, fremd war[7]. Dies könnte einer der Gründe dafür sein, warum sich der Islam unter den Kurden so rasch ausbreitete.
Diese These wird auch durch Izady bestätigt, der die Religion um Zardusht als reine persische Religion ansah. Auch Minorsky[8] berichtet zum Beispiel über die Daylamiten, die mit den Kurden in Verbindung gebracht werden, wurden von den Mittelpersern, welche Zardusht Anhänger waren, als Gottlose bezeichnet. Dies deutet daraufhin dass die Nordwestiranier, in der Tat keine Anhänger der Religion um Zardusht waren.
Auch kurdische Intellektuelle schüren die Spaltung Kurdistans, indem sie die muslimische Kurden in ihrer Religion diskriminieren. Sie bezeichnen sie als Verräter, in dem sie selbst den religiösen Hintergrund der Kurden auf Zerdusht zurrückführen. Die Annahme des Islam betrachten sie als Verrät am Kurdentum. Als Beispiel hierfür kann Haydar Isik genannt werden. In einem Artikel in der Yeni Özgür Politika schreibt er über die Zwangsislamisierung der Kurden und nennt die islamischen Propheten Mörder der kurdischen Ahnen, die der Religion um Zardusht anhingen. Weiterhin bezeichnet er es als Fehler diese Mörder, die islamische Propheten, zu verehren.[9]
Auch der bedeutende kurdische Dichter und Denker
Cigerxwin achtete in seinen Gedichten darauf, das islamische Kulturgut der Kurden zu ignorieren. Auch er wählte den Weg die Urreligion der Kurden in Zerdusht zu sehen und betrachtete irrtümlich die Religion der Yeziden und Aleviten als urspünglich.
Wie schon oben erwähnt, hält dieser Trend bis heute an und schlägt einen Weg ein, den man mit dem Antisemitismus vergleichen kann. Dabei ist diese Theorie realitätsfremd und sie ignoriert die kurdisch Identität der muslimischen Kurden.