"
"Wenn Kanzler Sebastian Kurz 'wir' sagt, sollte uns das kränken.
Österreichs Stärke war seine wohltuende Neutralität, seine Vermittlerfähigkeiten, seine vorzeigbare Sozialpolitik. Geachtet wegen seiner Bemühungen in der Nahost- und Minderheitenpolitik, geschätzt, während all der Jahre des Kalten Krieges gut geöltes Scharnier zwischen West und Ost und nach Südosteuropa hin zu sein, gelangte es zu internationalem Prestige. Alles perdu. ...
Nunmehr, wo dem Land dieser innere Kompass verlorenging, wo der Kanzler mit seiner rechtsnationalen Prahlerei glaubt, dem Lande zu Ansehen zu verhelfen, offenbart derlei bloß ein aberwitziges Großreichstreben eines Zwerges.
Wenn der Kanzler eines Landes, das sich einst der Neutralität verschrieben hat, seiner Nation nichts als einen Schulterschluss mit der globalen Rechten verpasst und dies zum nationalen Icon stilisiert, dann, liebe Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, haben "wir" uns geändert, dann verströmt der Reisepass, der als Hoheitszeichen von Bedeutung ist, plötzlich einen Stallgeruch, den er vorher nicht hatte. ...
Liebe Österreicherinnen und Österreicher, wir sind nicht mehr neutral, wir sind kein geopolitischer Mittler, keine Stimme der Entrechteten mehr. "Wir" sind eine tendenziöse Größe, "wir" sind nur mehr ein Zwerg mit Cäsarenwahn. ..."
(Elsbeth Wallnöfer, Ethnologin, Der Standard)"
Österreich hat seit dem Jahr 2017 eine identitätspolitische Veränderung durchgemacht. Früher verhalf dem Land seine Solidarität zu internationalem Prestige. Heute ist das perdu
www.derstandard.at