Bei der Mindestsicherung gibt Stadtrat Hacker seinen Kritikern recht
Laut Rathaus finden die meisten der Schutzberechtigten, die nun die Mindestsicherung verloren, eine Arbeit. Das widerspricht diametral dem, was die Wiener SPÖ bisher gesagt hat
"Unseres Wissens gelingt es den allermeisten, eine Arbeit zu finden": Diese Antwort erhielt der STANDARD aus dem Büro von Sozialstadtrat Peter Hacker auf die Frage, wie subsidiär Schutzberechtigte nach der radikalen Kürzung der Mindestsicherung über die Runden kommen sollen. Wer zu dieser Gruppe zählt, die Österreich zwar nicht als Flüchtlinge anerkannt, aber trotzdem aufgenommen hat, erhält als Einzelperson seit heuer auch in Wien nur mehr 425 statt 1209 Euro im Monat.
Das Argument widerspricht diametral dem, was Hacker bisher gesagt hat. Jahrelang hat der SPÖ-Politiker dem Vorwurf, wonach die in Wien zu hohe Sozialhilfe Bezieher von der Arbeitssuche abhalte, vehement widersprochen. Eine "Neiddebatte" prangerte er an – und erklärte die hohe Arbeitslosigkeit unter Geflüchteten mit Versagen des Arbeitsmarktservice (AMS). Wenn die Betroffenen nach Kürzung der Leistung nun aber plötzlich alle einen Job finden, können die Kritiker nicht so falsch gelegen haben.
Pauschale Strafe
Ob sich die Schutzberechtigten wirklich selbst helfen können oder viel mehr massenhaft aus Wohnungen fliegen und sogar obdachlos auf der Straße landen, wie Hilfsorganisationen warnen, werden die kommenden Monate zeigen. Erste Erfahrungsberichte fallen alarmierend aus – und deuten darauf hin, dass das Stadtratsbüro den aus Budgetnot verhängten Einschnitt beschönigt.
Sparen bei der Sozialhilfe ist ein zweischneidiges Schwert. Gewiss machen Kürzungen Menschen Beine, die Lücken genützt haben, um der geltenden Arbeitsverpflichtung zu entwischen. Aber präventive Bestrafung trifft auch jene, denen es nicht an Willen mangelt – sondern an Jobangeboten, Qualifikation oder Gesundheit. Wollen Stadt und Staat mehr Druck ausüben, sollte das in erster Linie über strenge Kontrolle geschehen.
Auch noch rücksichtslos
Der Fairness halber ist anzumerken, dass Wien nicht vorgeprescht ist, sondern nachgezogen hat: In fast allen anderen Bundesländern gilt das niedrigere Niveau längst – ein Grund, warum die meisten Schutzberechtigten in der Metropole leben. Als Ersatz will die Stadt neue – laut Kritikern zu wenige – Grundversorgungsquartiere schaffen.
www.derstandard.at
Laut Rathaus finden die meisten der Schutzberechtigten, die nun die Mindestsicherung verloren, eine Arbeit. Das widerspricht diametral dem, was die Wiener SPÖ bisher gesagt hat
"Unseres Wissens gelingt es den allermeisten, eine Arbeit zu finden": Diese Antwort erhielt der STANDARD aus dem Büro von Sozialstadtrat Peter Hacker auf die Frage, wie subsidiär Schutzberechtigte nach der radikalen Kürzung der Mindestsicherung über die Runden kommen sollen. Wer zu dieser Gruppe zählt, die Österreich zwar nicht als Flüchtlinge anerkannt, aber trotzdem aufgenommen hat, erhält als Einzelperson seit heuer auch in Wien nur mehr 425 statt 1209 Euro im Monat.
Das Argument widerspricht diametral dem, was Hacker bisher gesagt hat. Jahrelang hat der SPÖ-Politiker dem Vorwurf, wonach die in Wien zu hohe Sozialhilfe Bezieher von der Arbeitssuche abhalte, vehement widersprochen. Eine "Neiddebatte" prangerte er an – und erklärte die hohe Arbeitslosigkeit unter Geflüchteten mit Versagen des Arbeitsmarktservice (AMS). Wenn die Betroffenen nach Kürzung der Leistung nun aber plötzlich alle einen Job finden, können die Kritiker nicht so falsch gelegen haben.
Pauschale Strafe
Ob sich die Schutzberechtigten wirklich selbst helfen können oder viel mehr massenhaft aus Wohnungen fliegen und sogar obdachlos auf der Straße landen, wie Hilfsorganisationen warnen, werden die kommenden Monate zeigen. Erste Erfahrungsberichte fallen alarmierend aus – und deuten darauf hin, dass das Stadtratsbüro den aus Budgetnot verhängten Einschnitt beschönigt.
Sparen bei der Sozialhilfe ist ein zweischneidiges Schwert. Gewiss machen Kürzungen Menschen Beine, die Lücken genützt haben, um der geltenden Arbeitsverpflichtung zu entwischen. Aber präventive Bestrafung trifft auch jene, denen es nicht an Willen mangelt – sondern an Jobangeboten, Qualifikation oder Gesundheit. Wollen Stadt und Staat mehr Druck ausüben, sollte das in erster Linie über strenge Kontrolle geschehen.
Auch noch rücksichtslos
Der Fairness halber ist anzumerken, dass Wien nicht vorgeprescht ist, sondern nachgezogen hat: In fast allen anderen Bundesländern gilt das niedrigere Niveau längst – ein Grund, warum die meisten Schutzberechtigten in der Metropole leben. Als Ersatz will die Stadt neue – laut Kritikern zu wenige – Grundversorgungsquartiere schaffen.
Bei der Mindestsicherung gibt Stadtrat Hacker seinen Kritikern recht
Laut Rathaus finden die meisten der Schutzberechtigten, die nun die Mindestsicherung verloren, eine Arbeit. Das widerspricht diametral dem, was die Wiener SPÖ bisher gesagt hat