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Nachrichten aus Bosnien und Herzegowina

Machiavelli

Top-Poster
Ich hatte ja schonmal angemerkt, dass ich nicht der User Ratko bin... :lol:

Dazu gibt es wirklich keinen Bedarf, das erkennt man sofort...... :D Im übrigen solltest Du beim Erwähnen seines Namens respektvoll aufstehen.... :D Ich zolle Ratko Respekt, selbst wenn wir im Streit auseinandergegangen sind.

Wenn die 70er nicht gehen, dann halt die 30er? 40er? Wann haben viele Bosnjaken gesagt, sie wären Bosnjaken? Was waren denn die Bosnjaken in den 20ern? 10ern?

Ich hatte es -zumindest aus meiner Sicht- in wirklich einfachen und verständlichen Worten niedergeschrieben. Das Nation-Building hat bei den Kroaten und Serben in BiH, durch die natürliche Beeinflussung Serbiens und Kroatiens, früher eingesetzt. Die Bosniaken unterlagen dem Einfluss der Osmanen, die dieses Konzept des Nation-Building schlicht nicht verfolgt haben, sondern eher die panislamischen Ideen von Abdul HAmid II zugetan waren. Somit gab es wichtige Merkmale der Etnogeneze, aber in ihrer Entwicklung eben anders als bei Serben und Kroaten.

Beispielhaft: Der Begriff "Bosniake" war bis KuK eine Terminologie für die Einwohner Bosniens, nicht jedoch für eine bestimmte Ethnie. Der österreichische Gouverneur Benjamin Kallay scheiterte mit der Idee, alle Einwohner Bosniens verfassungsseitig als "Bosniaken" zu bezeichnen, weil die Etnogeneze bei Kroaten und Serben offensichtlich vollzogen war (Die protestierten vehement). Es bedeutet aber auch, dass dieser Terminus den bosnischen Moslems zur Verfügung stand. Ehrlicherweise muss man klar eingestehen, dass zu diesem Zeitpunkt die bosnischen Moslems (nun "Mohamedaner" genannt) nicht wussten was sie sein wollen, wohl aber wussten was sie *nicht* sein wollten: Serben oder Kroaten. Ebenfalls ein wichtiges Merkmal einer Etnogeneze.

Cyrill Stieger liefert in seinem Buch "Die Macht des Ethnischen" eine Reihe von Belegen und Hinweisen, dass man die bosnischen Muslime an der Entfaltung einer nationalen Identität hinderte, was am Kommunismus ebenso lag, wie an den nationalistischen Strömungen. Oder sagen wir es mal ganz einfach so: Die Serben haben den Hang, anderen genau das zu unterstellen was sie selber wollen. Im konkreten Fall sind es territoriale Ansprüche die man mit einer Volksgruppe begründet. Aufgrund der quantitativen Überzahl der Serben und der schlichten Tatsache das die Ideen von Typen wie Stevan Moljevic durch andere "geläuterte" Cetniks in die jugoslawische Innenpolitik getragen wurden, ergab sich in den kommenden Jahren folgendes Bild: 1948, 1953, 1962 durften sich die bosnischen Muslime nicht einmal als Volk bezeichnen. 1974 erst wurde ihnen der Status als Volk überhaupt zuerkannt, allerdings als "Muslime" (Der Grund liegt auf der Hand). Und vor diesem Hintergrund stellst Du allen Ernstes die Frage, wann die Bosniaken Bosniaken sein wollten ? Mit allem Vorlauf den es dazu braucht ? :D

Das Du (und andere) so tickst wie Du es tust, hat wohl im wesentlichen mit einem Satz zu tun, der am 27.9.1993 im Sarajevo-er Holiday Inn gefallen ist: "Der bosnischen Muslimen wurde immer gesagt, dass sie sich nicht Bosniaken nennen dürfen, weil das den Eindruck erweckt das es sich um ganz BiH handelt. Aber: Es leben in BiH nicht nur Bosniaken, sondern auch Kroaten und Serben. Aber: Auch die Bosniaken haben das Recht auf das Land, in dem sie leben"

Es ist genau dieser letzte Satz, mit dem man den Bosniaken diese Territorialansprüche unterstellen will. Diese ewige Leier ist also schon n* so alt wie Du, Dodik & Covic zusammen. Aber machen wir mal weiter:
Mir ist klar, dass du die Praxis der Bosnjaken den kroatischen Vertreter rechtfertigen wirst, es bleibt dabei, Dayton hat den Frieden gebracht und hat eine Gleichberechtigung zwischen den Ethnien erreicht. Weshalb du nicht verstehst, weshalb es ein Problem ist, dass die größere Ethnie der kleineren Ethnie ihre Vertreter vordiktiert, werde ich wohl nie verstehen.

Erst einmal stelle ich fest, dass es an der gesetzlichen Legitimität keinen Zweifel gibt. Da bist sogar Du vermutlich von ganz alleine drauf gekommen. Nachfolgendes Beispiel lässt mich vor Deinem akademischen Niveau erzittern. Nämlich als ich von Dir wissen wollte, was demokratische Praxis in Deinem Weltbild ist. Auf diesen Post von Dir....
Gegen die demokratische Praxis jedoch sicherlich, er ist quasi Bakirs Quisling

stelle ich Dir im Reply die indirekte Frage, was an der Wahl Komsics nach demokratischen Maßstäben illegitim ist. Heraus kommt dann sowas:
Mir ist klar, dass du die Praxis der Bosnjaken den kroatischen Vertreter rechtfertigen wirst, ....

Also keine simple Antwort, sondern eine Unterstellung. Es ist Dein gutes Recht hier zu schreiben was Du willst, aber es wäre mal spannend zu erfahren was DU eigentlich selber willst. Die paar Bosnjos so lange provozieren, bis von denen eine Antwort kommt die Dein Weltbild zementiert ? Dafür besteigst Du die bosnischen Kroaten ? Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass es Dir hier nicht um sachliche Diskussion geht, sondern um Frustabbau..... :D

Aber da Du es schon so genau wissen willst: Natürlich ist die Art & Weise wie Komsic ausgewählt wird, kein Grundgedanke des Dayton Abkommens. So weit ist das schon klar und das die Kroaten hier auf die Barrikaden gehen nachvollziehbar. Auf der anderen Seite trickst jede Seite (!) mit diesem komplexen, auf prinzipiell undemokratische Grundlagen ausgerichteten Friedensvertrag rum. Wusstest Du, dass in der RS die Serben quasi den kroatischen Vertreter im RS-Präsidialsystem wählen?. Herausgekommen ist lange Zeit ein "Kroate" namens Emil Vlajki, den man als Spinner bezeichnen kann. An anderer Stelle deklarieren sich verschiedene Kandidaten als Serben/Bosniaken/Kroaten, um im entsprechenden Stimmbezirk eine Mehrheit abzusichern.

Ist es für Dich nicht kennzeichnend, dass sich die Führung der BH-Kroaten gerade in einem negativen Fokus der westlichen Gemeinschaft befindet, weil das von ihnen angestrebte Absichern von "genehmen Kandidaten" (Und nur darum geht es) sämtlichen Prinzipien der EU widerspricht ? Ist es nicht eben so kennzeichnend, dass die Kroaten hier den Support nur von China & Russland erhalten ?

Insofern ist meine Betrachtung auf Komsic und Covic nichts anderes als die Akzeptanz des kleineren Übels, bis es zu einer umfassenderen Reform kommt und BiH auf das schweizer Modell ausrichtet. Also: Kantonalsysteme mit hoher Autonomie, aber auch befreit von nationalen Präfixen. Rate mal, wer das nicht möchte......
 
Land
Serbia
@Machiavelli boze ne spasi, mit "ich bin nicht Ratko" wollte ich verdeutlichen, dass ich kein Interesse an Abhandlungen habe. Gerne werde ich jedoch auf einige Fragen und Anmerkungen eingehen, auch wenn du manchmal einen provokanten Tonfall gewählt hast :hug:
 

mosnik

Top-Poster
Dazu gibt es wirklich keinen Bedarf, das erkennt man sofort...... :D Im übrigen solltest Du beim Erwähnen seines Namens respektvoll aufstehen.... :D Ich zolle Ratko Respekt, selbst wenn wir im Streit auseinandergegangen sind.



Ich hatte es -zumindest aus meiner Sicht- in wirklich einfachen und verständlichen Worten niedergeschrieben. Das Nation-Building hat bei den Kroaten und Serben in BiH, durch die natürliche Beeinflussung Serbiens und Kroatiens, früher eingesetzt. Die Bosniaken unterlagen dem Einfluss der Osmanen, die dieses Konzept des Nation-Building schlicht nicht verfolgt haben, sondern eher die panislamischen Ideen von Abdul HAmid II zugetan waren. Somit gab es wichtige Merkmale der Etnogeneze, aber in ihrer Entwicklung eben anders als bei Serben und Kroaten.

Beispielhaft: Der Begriff "Bosniake" war bis KuK eine Terminologie für die Einwohner Bosniens, nicht jedoch für eine bestimmte Ethnie. Der österreichische Gouverneur Benjamin Kallay scheiterte mit der Idee, alle Einwohner Bosniens verfassungsseitig als "Bosniaken" zu bezeichnen, weil die Etnogeneze bei Kroaten und Serben offensichtlich vollzogen war (Die protestierten vehement). Es bedeutet aber auch, dass dieser Terminus den bosnischen Moslems zur Verfügung stand. Ehrlicherweise muss man klar eingestehen, dass zu diesem Zeitpunkt die bosnischen Moslems (nun "Mohamedaner" genannt) nicht wussten was sie sein wollen, wohl aber wussten was sie *nicht* sein wollten: Serben oder Kroaten. Ebenfalls ein wichtiges Merkmal einer Etnogeneze.

Cyrill Stieger liefert in seinem Buch "Die Macht des Ethnischen" eine Reihe von Belegen und Hinweisen, dass man die bosnischen Muslime an der Entfaltung einer nationalen Identität hinderte, was am Kommunismus ebenso lag, wie an den nationalistischen Strömungen. Oder sagen wir es mal ganz einfach so: Die Serben haben den Hang, anderen genau das zu unterstellen was sie selber wollen. Im konkreten Fall sind es territoriale Ansprüche die man mit einer Volksgruppe begründet. Aufgrund der quantitativen Überzahl der Serben und der schlichten Tatsache das die Ideen von Typen wie Stevan Moljevic durch andere "geläuterte" Cetniks in die jugoslawische Innenpolitik getragen wurden, ergab sich in den kommenden Jahren folgendes Bild: 1948, 1953, 1962 durften sich die bosnischen Muslime nicht einmal als Volk bezeichnen. 1974 erst wurde ihnen der Status als Volk überhaupt zuerkannt, allerdings als "Muslime" (Der Grund liegt auf der Hand). Und vor diesem Hintergrund stellst Du allen Ernstes die Frage, wann die Bosniaken Bosniaken sein wollten ? Mit allem Vorlauf den es dazu braucht ? :D

Das Du (und andere) so tickst wie Du es tust, hat wohl im wesentlichen mit einem Satz zu tun, der am 27.9.1993 im Sarajevo-er Holiday Inn gefallen ist: "Der bosnischen Muslimen wurde immer gesagt, dass sie sich nicht Bosniaken nennen dürfen, weil das den Eindruck erweckt das es sich um ganz BiH handelt. Aber: Es leben in BiH nicht nur Bosniaken, sondern auch Kroaten und Serben. Aber: Auch die Bosniaken haben das Recht auf das Land, in dem sie leben"

Es ist genau dieser letzte Satz, mit dem man den Bosniaken diese Territorialansprüche unterstellen will. Diese ewige Leier ist also schon n* so alt wie Du, Dodik & Covic zusammen. Aber machen wir mal weiter:


Erst einmal stelle ich fest, dass es an der gesetzlichen Legitimität keinen Zweifel gibt. Da bist sogar Du vermutlich von ganz alleine drauf gekommen. Nachfolgendes Beispiel lässt mich vor Deinem akademischen Niveau erzittern. Nämlich als ich von Dir wissen wollte, was demokratische Praxis in Deinem Weltbild ist. Auf diesen Post von Dir....


stelle ich Dir im Reply die indirekte Frage, was an der Wahl Komsics nach demokratischen Maßstäben illegitim ist. Heraus kommt dann sowas:


Also keine simple Antwort, sondern eine Unterstellung. Es ist Dein gutes Recht hier zu schreiben was Du willst, aber es wäre mal spannend zu erfahren was DU eigentlich selber willst. Die paar Bosnjos so lange provozieren, bis von denen eine Antwort kommt die Dein Weltbild zementiert ? Dafür besteigst Du die bosnischen Kroaten ? Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass es Dir hier nicht um sachliche Diskussion geht, sondern um Frustabbau..... :D

Aber da Du es schon so genau wissen willst: Natürlich ist die Art & Weise wie Komsic ausgewählt wird, kein Grundgedanke des Dayton Abkommens. So weit ist das schon klar und das die Kroaten hier auf die Barrikaden gehen nachvollziehbar. Auf der anderen Seite trickst jede Seite (!) mit diesem komplexen, auf prinzipiell undemokratische Grundlagen ausgerichteten Friedensvertrag rum. Wusstest Du, dass in der RS die Serben quasi den kroatischen Vertreter im RS-Präsidialsystem wählen?. Herausgekommen ist lange Zeit ein "Kroate" namens Emil Vlajki, den man als Spinner bezeichnen kann. An anderer Stelle deklarieren sich verschiedene Kandidaten als Serben/Bosniaken/Kroaten, um im entsprechenden Stimmbezirk eine Mehrheit abzusichern.

Ist es für Dich nicht kennzeichnend, dass sich die Führung der BH-Kroaten gerade in einem negativen Fokus der westlichen Gemeinschaft befindet, weil das von ihnen angestrebte Absichern von "genehmen Kandidaten" (Und nur darum geht es) sämtlichen Prinzipien der EU widerspricht ? Ist es nicht eben so kennzeichnend, dass die Kroaten hier den Support nur von China & Russland erhalten ?

Insofern ist meine Betrachtung auf Komsic und Covic nichts anderes als die Akzeptanz des kleineren Übels, bis es zu einer umfassenderen Reform kommt und BiH auf das schweizer Modell ausrichtet. Also: Kantonalsysteme mit hoher Autonomie, aber auch befreit von nationalen Präfixen. Rate mal, wer das nicht möchte......
Ja ratko war schon gut aber tarik war ne Kante besser von der Argumentation
Disse könnte Olaf sein?
 
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