Ich finde es seltsam Svetlana Alexievich mit dem Begriff Literatur in Verbindung zu bringen.
Ich finde diese Debatte seltsam, vor allem in Deutschland. Der Literaturbegriff ist hier viel strenger als in anderen Ländern. Ein Journalistischer Stil gehört in den USA voll in die Szene, sowie auch ein Karl Kraus oder Tucholsky damals in die deutsche Literatur. UNd wenn man beispielsweise Secondzeit liest, dann hast du nicht das Gefühl ein Sachbuch zu lesen, sondern eine ganze Welt - was wiederum der Sinn der Literatur ist. Viele ihrer Texte lösen aus, wozu nur Literatur in der Lage ist, deswegen finde ich es überhaupt nicht seltsam.
Die deutsche Kritik hat mich da auch sehr verwundert, weil sie gleichzeitig auch zu verantworten haben, dass die deutschsprachige Literatur zu den schlechtesten überhaupt gehört, also die aktuelle und auch selten so schlecht war. UNd eben meist autobiographisch, kaum Phantasie, kaum Kreativität, also im Prinzip genau das, was Aleksijevic über die Literatur von Svetlana gesagt wird.
Bei Stasiuk ist es in den Tagebüchern auch so oder damals bei Danilo Kis, da gab es auch solche Diskussionen, nur eben auf einem anderen Level.