Tödliche Sekunden nach dem Schuss – Wie Hilfe verweigert wurde und die Ermittlungen entzogen werden
Hinweis: Dieser Artikel enthält sehr sensibles Material.
Die 37-jährige Renee Nicole Good sitzt schwer verletzt, Sekunden entscheiden. Ein Arzt versucht, zu ihr zu gelangen. ICE-Beamte blockieren den Zugang. Umstehende werden angewiesen, sich „einfach zu beruhigen“. Dieses Verhalten lässt keinen Spielraum für Beschönigungen. Sie dokumentieren nicht Chaos, sondern Kontrolle – und eine Entscheidung: keine Hilfe.
Unsere Recherchen, die wir soeben abgeschlossen haben, bestätigen diesen Ablauf eindeutig. Auch wenn die Überlebenschancen von Renee Nicole Good in diesem Moment gering gewesen sein mögen, wurde ihr unmittelbare medizinische Versorgung verweigert. Relevant ist nicht allein der tödliche Schuss. Relevant ist, dass danach Hilfe verweigert wurde – und dass heute verhindert wird, genau das unabhängig zu untersuchen. Hinzu kommt ein Schritt, der die Zweifel vertieft. Die Ermittlungsbehörde des Bundesstaats Minnesota hat bestätigt, dass die US-Staatsanwaltschaft sie daran gehindert hat, sich an der Untersuchung der tödlichen Schussabgabe eines ICE-Beamten zu beteiligen. Damit wurde dem Bundesstaat die Mitwirkung entzogen. Die Ermittlungen liegen nun ausschließlich beim Federal Bureau of Investigation, geführt unter der Leitung von Kash Patel. Man könnte sagen, dass in diesem Moment – in jenem präzisen Augenblick, in dem die Zuständigkeit wechselt – eine unsichtbare Grenze überschritten wird. Nicht die Grenze zwischen zwei Behörden, sondern jene zwischen zwei Wahrheiten: der öffentlichen und der staatlichen.
Transparenz, dieses Wort, das in demokratischen Gesellschaften wie ein Talisman beschworen wird, verschwindet hier mit der Leichtigkeit eines Taschenspielertricks. An ihre Stelle tritt jene eigentümliche Form der Undurchsichtigkeit, die sich selbst als „Zuständigkeit“ tarnt. Die unabhängige Kontrolle wird ersetzt durch das, was man euphemistisch „interne Klärung“ nennen könnte: eine Bundesbehörde untersucht sich gewissermaßen jenen Teil ihrer selbst, der mit der gegenwärtigen politischen Linie aufs Innigste verwoben ist. Ist es nicht seltsam, dass ausgerechnet dort, wo es um Tod geht, um verweigerte Hilfe, um Gewalt, die nicht rückgängig zu machen ist – dass gerade dort die Türen geschlossen werden? Als wäre der Tod selbst ein administratives Detail, das besser hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Wir regeln das unter uns, für uns.
Die 37-jährige Renee Nicole Good sitzt schwer verletzt, Sekunden entscheiden. Ein Arzt versucht, zu ihr zu gelangen. ICE-Beamte blockieren den Zugang. Umstehende werden angewiesen, sich „einfach zu beruhigen“. Dieses Verhalten lässt keinen Spielraum für Beschönigungen. Sie dokumentieren nicht...
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