Die Einsamkeit der kämpfenden Ukraine
Wie lange kann der heldenhafte Widerstand noch anhalten?
Heute jährt sich der Beginn des russischen Aggressionskriegs gegen die Ukraine zum vierten Mal. Der lobenswerte Besuch der österreichischen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, begleitet von Vertretern aus vier Parteien (die FPÖ hat abgelehnt), wurde zu Recht von dem dankbaren ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha als Beweis dafür bezeichnet, dass "Neutralität keine Gleichgültigkeit bedeutet." Trotzdem darf dieses Zeichen der Solidarität nicht über die grundsätzliche Einsamkeit der um staatliches Überleben kämpfenden Ukraine hinwegtäuschen. Nicht nur der nächtliche Drohnen- und Raketenhagel auf Kyjiw erinnert an die deutschen Bombenangriffe („Blitz“) 1940-41 auf London, sondern auch der Durchhaltewillen der Ukrainer an den ungebrochenen Widerstand der Briten.
Die Rechnung des von der Vision eines wiedererrichteten russischen Reiches geblendeten Putins ging nicht auf. Trotz der Überlegenheit in Rüstung und erst recht in Personalreserven, trotz der Unterstützung durch China und Nordkorea, gelang es der russischen Armee nicht, einen Durchbruch zu erreichen. Dass der irrlichternde US-Präsident Donald Trump die Hilfe für die Ukraine eingestellt hat und die Ukraine zur Aufgabe der gesamten Region Donezk zwingen möchte, dient ausschließlich den Interessen des von ihm so bewunderten russischen Diktators.
Das Überleben des ukrainischen Staates wurde bisher durch die rasche Reaktion der Europäischen Union und Großbritanniens gesichert. Laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft erbringen sie jetzt 95 Prozent der Hilfeleistungen. Deutschland, Großbritannien, Schweden und Norwegen sind führend bei der Militärhilfe.
Existenzielle Frage
Die Statistiken beweisen wieder einmal, dass der französische Präsident Emmanuel Macron kein Staatsmann, sondern bloß ein Blender ist. Trotz seiner Rhetorik über eine strategische Autonomie Europas befindet sich Frankreich nur auf dem 7. Platz bei der Militärhilfe für die Ukraine, bezogen auf die Wirtschaftsleistung sogar nur auf dem 14. Platz. Auch Spanien, Italien und Griechenland belegen die hinteren Ränge.
Selbst in der für die Zukunft Europas so grundsätzlichen Frage, wie in der Unterstützung für die Ukraine kann in der EU vom Bewusstsein einer Schicksalsgemeinschaft keine Rede sein. Je weiter weg von der Front ein Land ist, umso weniger spürt man die Hilfsbereitschaft. Mit dem Hinweis auf die Zahlen erhebt der Leitartikler der Neuen Zürcher Zeitung den Vorwurf des "Rosinenpickens und Trittbrettfahrens" gegen Frankreich, Spanien und Italien in der existenziellen Frage des Engagements für die Ukraine.
Wie lange kann der heldenhafte Widerstand noch anhalten?
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