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Nachrichten aus Österreich

Nach dem Schock kommt die Aufarbeitung
Auch wenn uns nach dem Amoklauf in Graz die Worte fehlen: Wir brauchen sie. Und wir brauchen Empathie, Respekt und die Hartnäckigkeit, daraus etwas lernen zu wollen

Da fehlen einem die Worte. Das ist eine Phrase, die man jetzt oft zu hören bekommt, auch in den Statements aus der Politik. Es ist so unfassbar, was da in Graz passiert ist, wie hier Menschenleben ausgelöscht wurden, dass sich das kaum in Wort fassen lässt. So viele Tote. Schülerinnen und Schüler. Eine Lehrkraft. Und der noch junge Täter. Der sich "selbst gerichtet" hat. Alles Menschen. Menschen mit einer Geschichte, die an dieser Stelle geendet hat. Wie ungerecht ist dieser Verlauf, wie unbegreifbar ist das, was wir Schicksal benennen.

Und dennoch. Da dürfen einem die Worte nicht fehlen. Der Politik nicht, dem Journalismus sowieso nicht. Und auch den Eltern nicht, den Kindern nicht, den Freundinnen und Freunden.

Ohne Neugierde und Sensationslust
Wir müssen darüber reden. Mit Empathie, so gut wir das können, auch wenn sich vieles nicht erklären lässt. Wir müssen darüber reden, ohne geschwätzig zu sein, ohne in Neugierde zu kippen oder der Sensationslust nachzugeben. Wir müssen Rücksicht nehmen. Keine Videos vom Täter und erst recht keine von den Opfern veröffentlichen oder weiterreichen. Keinen Verschwörungstheorien aufsitzen.

 
Will ich nicht verstehen, dass man auch in Österreich leicht zu Waffen gelangt.

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Psychiater Haller nach Amoklauf in Graz: Schule als "Ort der meisten Kränkungen"
Der Vorarlberger Psychiater Reinhard Haller betont, dass die vielen Schulattentäter die Verfügbarkeit von Waffen und eine "schwere Gekränktheit" eint. Es sei zudem oft ein gezielter Vorgang gegen die Schule

Graz/Feldkirch – Bei School-Shootings handelt es sich aus Sicht des Schützen meist um "Rache an der Schule als Institution". Die Schule stehe dabei "für die gesamte Gesellschaft", erläuterte der Vorarlberger Psychiater Reinhard Haller im Gespräch mit der APA am Dienstag nach der Attacke an einer Grazer Schule mit mehreren Toten. Bei solchen Taten zeigen sich laut Untersuchungen zwei wiederkehrende Muster: eine vorhandene "Griffnähe zur Waffe" und eine schwere "Gekränktheit" des Täters.

"Diese Menschen haben Kränkungen erlitten, die von außen Kinkerlitzchen sind, aber die für sie die Welt bedeuten", sagte Haller. "Das können kleine Sticheleien sein, denen man von außen hin nicht viel Aufmerksamkeit schenkt." Dennoch handle es sich um "schwer getroffene Individuen". Diese fahren nicht an ihre Schule – oder teils Jahre später an ihre ehemalige Schule –, um bestimmte Lehrer oder Schüler zu töten, die sie gekränkt haben. Es gehe um die Schule als Institution und Rache an der aus Tätersicht "kalten, ausschließenden Gesellschaft", berichtete Haller aus Untersuchungen zu ähnlichen Fällen und rund 300 School-Shootings, vor allem in den USA.

 
Ermittler
Viele Fragen nach Graz-Amoklauf offen
Ein ehemaliger Schüler hat am Dienstagvormittag bei einem Amoklauf in einer Grazer Schule mindestens zehn Menschen und sich selbst getötet. Wie die Ermittlungsbehörden am Dienstag bestätigten, handelt es sich um einen 21-jährigen Österreicher aus Graz-Umgebung. Viele Fragen, darunter auch das hinter der Tat stehende Motiv, seien aber weiter Gegenstand laufender Ermittlungen.

Der 21-Jährige war laut Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) ein ehemaliger Schüler der betroffenen Bildungseinrichtung BORG Dreierschützengasse, der die Schule nicht abgeschlossen hatte. Er war bisher nicht amtsbekannt. Medienberichte, wonach der Schüler in der Vergangenheit gemobbt worden sein soll, wollten Karner und die Polizei bisher nicht bestätigen.

Einen Bericht, wonach am Wohnort des 21-Jährigen bei einer Durchsuchung ein Abschiedsbrief gefunden worden sei, bestätigte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, am Abend gegenüber der ZIB Spezial. Dieser lag in analoger und digitaler Form vor. „Es kann aber aus dem Abschiedsbrief kein Motiv entnommen werden. Das ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen“, wie Ruf dazu betonte.

 
Ähnlich wie in Deutschland
Verfassungsschutzbericht: Die größte Gefahr ist Rechtsextremismus
Der Verfassungsschutzbericht 2024 wurde veröffentlicht. Das zuständige Innenministerium ortet die größte Bedrohung im islamistischen Extremismus. Viele Medien und die FPÖ konzentrieren sich auf den Linksextremismus, der vermeintlich „explodiert“. Was fast alle übersehen oder nicht sehen wollen: Die mit Abstand größte Bedrohung ist der Rechtsextremismus. Ein Kommentar von Lisa Wohlgenannt.
Es ist nie akzeptabel, wenn das Leben, die Unversehrtheit oder Freiheit einer anderen Person bedroht oder angegriffen wird. Die Gefahr, dass dies geschieht, ist aber nicht bei allen Gruppierungen gleich groß. Im Gegenteil. Am größten ist sie in der Gruppe, die vermeintlich am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt: Die Rechtsextremen. Das zeigen nicht nur die Zahlen

Fünfmal so viele rechtsextreme Tathandlungen wie linksextreme
1.486 rechtsextremistische, fremdenfeindliche beziehungsweise rassistische, islamfeindliche, antisemitische oder andere Tathandlungen sind 2024 bei den Sicherheitsbehörden bekannt geworden. Das sind 23 Prozent mehr als noch 2023. Es kam im Zuge dessen zu 2.346 Anzeigen.


 
Kahr: „Waffen sollten nur unsere Exekutivorgane tragen, keine Privatpersonen“
Schwere Stunden für das Grazer Stadtoberhaupt: Elke Kahr (KPÖ) lobt den Zusammenhalt der Grazer nach dem Amoklauf am Grazer BORG Dreierschützengasse, bedankt sich bei den Einsatzkräften und hält ein generelles Waffenverbot für Privatpersonen für nötig.
Tief betroffen zeigte sich Graz Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) in der ZiB 2 bei Armin Wolf. Das Grazer Stadtoberhaupt blickte zusammen mit Armin Wolf auf den Tag nach den dramatischen Ereignissen zurück. Aufhorchen ließ Kahr bei dem Statement zum Thema Waffenbesitz. Hier steht sie persönlich für ein generelles Waffenverbot für Privatpersonen.

„Es ist das Wichtigste, dass man nach so einem Tag nicht alleine ist, dass man zusammensteht und zusammenkommt, um diesen Tag, der ein Einschnitt in Graz ist, gemeinsam zu begehen“, blickte Kahr auf den Tag zurück. Die Bürgermeisterin dankte ganz besonders den Einsatzkräften, die rasch vor Ort waren, und den Betroffenen Beistand leisteten.

In Wirklichkeit ist das Schlimmste der Moment, in dem die Eltern und Freunde gewartet haben, ist mein Kind unter den Todesopfern, oder nicht? Das ist unbeschreiblich.


 
Hausdurchsuchung bei Amokläufer von Graz: Polizei bestätigt Fund von Rohrbombe – bisher kein Hinweis auf Motiv
Nach einem Schussangriff in einer Grazer Schule gibt es zehn Todesopfer, der mutmaßliche Täter hat Suizid begangen. Die Regierung ordnete dreitägige Staatstrauer an, um 10 Uhr gibt es eine Gedenkminute

 
Selbst Waffenhändler findet es in "ZiB 2" zu einfach, an Waffen zu kommen
Bei Armin Wolf ist Jugendpsychiater Paul Plener baff über 1,5 Millionen Schusswaffen. Er rät Medien, möglichst wenig über den Täter zu berichten

Ein Waffenverbot für Privatpersonen hat die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) gerade "zutiefst überzeugt" gefordert, gleich nach dem Trauergottesdienst vor dem Grazer Dom, zugeschaltet in die ZiB 2 zu Armin Wolf. Selbst der Wiener Waffenhändler Markus Schwaiger findet es in einem Beitrag zu leicht für 18-Jährige, an Gewehre zu kommen. Im Studio pflichtet Jugendpsychiater Paul Plener bei: Österreichs Waffengesetz sei ganz eindeutig zu liberal; Verschärfungen hätten international Wirkung gezeigt – bei Homiziden wie Suiziden.

 
Graz: 11 Tote. 1 Täter. 0 Respekt.
Während Familien zittern und Kinder traumatisiert sind, schieben skrupellose Medienmacher ihr nächstes Horror-Video online.

Ein Kommentar von Tom Wannenmacher

Ich bin Grazer. Geboren, aufgewachsen, mit der Stadt verwachsen.
Heute lebe ich in Wien, aber was da in meiner alten Heimat vorgefallen ist, hat bei mir alles getriggert: Wut, Ekel, Fassungslosigkeit.
Nicht nur wegen der Tat. Die ist unfassbar. Sondern wegen dem, was danach kam: Wie das Leid von Kindern, die gerade um ihr Leben gerannt sind, zur Klickware für Aasgeier mit WLAN wurde. Und als Draufgabe gleich noch die ersten Fakes hinterher, weil echte Panik offenbar noch nicht genug Quote bringt.
Was da vorgefallen ist, ist kein Versehen. Es ist ein System.
Was da passiert ist, war nicht einfach pietätlos, es war ein digitaler Totalschaden mit Ansage.

Echte Angst und echter Schmerz wurden zum viralen Snack verarbeitet von Leuten, die sich „Medienmacher“ nennen, aber in Wahrheit nichts weiter sind als Reichweiten-Junkies mit Upload-Button.

Wir klären sonst über Fakes und Desinformation auf, aber diesmal geht’s um etwas, das noch widerlicher ist:

👉 Das Geschäft mit echtem Leid.
👉 Mit weinenden Schüler*innen.
👉 Mit dem Tod von Kindern.

Verpackt als Clickbait.
Monetarisiert mit Werbung.
Gefeiert mit Likes und Telegram-Shares.

Und als wäre das nicht schon menschenverachtend genug, kommen dann noch die Hobby-Desinformanten ums Eck und basteln aus einem alten Video vom Skatepark in Wien-Floridsdorf ein neues Schulmassaker, weil: Drama läuft besser, wenn’s gerade Trend ist. Wir haben HIER darüber berichtet.

Wenn man kein Gewissen, aber WLAN hat

 
Man muss sich das ja vorstellen. Wie eben jeder aus dieser Ecke vermutet, oder posaunt hinaus, dass es Islamisten oder so waren. Ekelhaft und widerwärtig

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