Erinnerung und Vergessen – Was wir aus dem 8. Mai lernen könnten
Der 8. Mai ist ein Datum von symbolischer Schwere. Ein Tag, an dem vor 80 Jahren in Europa die Waffen schwiegen, ein Krieg zu Ende ging, der die Welt in einen Abgrund gestürzt hatte. Millionen Tote, zerstörte Städte, vernarbte Seelen – eine Katastrophe, deren Schatten bis heute über uns liegen. Doch was haben wir gelernt? Oder, treffender gefragt, haben wir überhaupt etwas gelernt?
Blickt man sich heute um, scheint es, als wäre die Menschheit in einem beständigen Zustand des Vergessens gefangen. Sicherlich, wir halten Gedenkreden, wir legen Kränze nieder, wir sprechen feierliche Worte über Frieden und Versöhnung. Doch kaum sind die Mikrofone ausgeschaltet, kehren wir in die Realität zurück, in der das gleiche Gift von Hass, Gewalt und Machtgier weiter wuchert.
Wir reden vom Frieden und lassen zugleich Kriege geschehen, deren Bilder uns täglich aus der Ukraine erreichen – Städte in Schutt und Asche, eine Bevölkerung gefangen zwischen Fronten, während Großmächte aus sicherer Entfernung um Einflusssphären pokern. Eine Wiederholung alter Muster, nur mit anderen Akteuren und moderneren Waffen.
In den USA zerreißen politische Konflikte die Gesellschaft in zwei scheinbar unversöhnliche Lager, und selbst grundlegende Wahrheiten werden zum Spielball ideologischer Machtkämpfe. Hass und Spaltung dominieren, während gemeinschaftliches Handeln und Verständnis verblassen. Wer aus der Geschichte lernen will, könnte hier anfangen, doch der Wille dazu scheint gering.
Indien und Pakistan – zwei Atommächte, die seit Jahrzehnten in einer feindseligen Pattsituation verharren, angetrieben von einem Nationalismus, der sich über den Hass auf den Nachbarn definiert. Anstelle von Dialog und Versöhnung triumphiert die Rhetorik der Stärke, die im schlimmsten Fall in einer Katastrophe enden könnte, deren Ausmaß unsere Vorstellungskraft sprengt.
Und auch anderswo, von Nahost bis Ostasien, scheint sich die Geschichte eher in einer endlosen Schleife der Konflikte zu drehen, statt aus den Tragödien der Vergangenheit zu lernen.