Kickl lobt Orbáns "historische Verdienste" im "Kampf gegen LGTBIQ-Kult"
Ungarns Premier war ein Vorbild der Rechten. In der FPÖ leckt man Wunden – an der Parteispitze und an der Basis. Bei den US-Midterms könnte die nächste bittere Schlappe blühen
Herbert Kickl ist in Rage. Der FPÖ-Chef packt in seinem Kommentar über die Niederlage von Premierminister Viktor Orbán in Ungarn große Vorwürfe aus. Österreichs Parteien hätten ein "Regime (...) der Huldigung eines zerstörerischen Zeitgeistes" aufgebaut. Nun müsse der "patriotische Schutzmechanismus" aktiviert werden. Orbáns "historische Verdienste" würden ungebrochen bleiben, vor allem "im Kampf gegen den EU-Zentralismus und den LGBTIQ-Kult", schwärmt Kickl – genau wie dessen Einsatz um Frieden mit Russland.
Bereits am Sonntagabend, als die schwere Schlappe Orbáns endgültig feststand, war FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker ausgerückt. In der ORF-Sendung Das Gespräch gab er die Richtung für den blauen Umgang mit der Niederlage jenes Regierungschefs vor, den seine Partei seit Jahren zum politischen Vorbild erklärt hatte: Schuld an der Fidesz-Abwahl sei die EU, sagte der Freiheitliche. Die Union habe durch das "Einfrieren von Geldern" einen "Leidensdruck in der ungarischen Bevölkerung" verursacht, der zur Abwahl Orbáns geführt habe.
Rückschlag für Rechtsaußen
Man merkt: Mit dem ungarischen Langzeit-Premier verlor ein Politiker, dessen Wirken weit über Ungarn hinausgestrahlt hat. Schmerzhaft ist die Niederlage nicht nur für ihn und seine Partei. Auch für das internationale Rechtsaußen-Lager bedeutet sie einen Rückschlag. "Für die FPÖ ist es natürlich ein Problem, dass Orbán am Sonntag so rasch eine Niederlage eingestanden hat und damit keine Zweifel oder Verschwörungstheorien geschürt hat, dass bei der Wahl etwas falsch gelaufen sein könnte", sagt Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle dem STANDARD.
Andererseits könnte die FPÖ nun sagen, der Vorwurf, dass Kreml-Chef Wladimir Putin die Wahl beeinflusste, sei entkräftet, so Stainer-Hämmerle. Nur: "Es gibt ja keinen Beweis, dass es nicht versucht wurde." Die nächste Wahl, "zu der die FPÖ hin zittert, sind die Midterm-Wahlen in den USA", so die Politikwissenschafterin, "denn das könnte die nächste Niederlage für einen ihrer Verbündeten werden".
Schlappen trotz Staatsumbaus
Wie sehr sich Schlappen wie diese auf rechtspopulistische Parteien in anderen Ländern auswirken, "lässt sich in Wahrheit erst bei Wahlergebnissen einschätzen", sagt Reinhold Gärtner, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck. Bremsende Effekte auf den Rückenwind rechter Parteien seien durchaus zu erwarten. Bis zur nächsten Nationalratswahl in Österreich sind es allerdings – zumindest planmäßig – noch rund drei Jahre. Ein Zeitraum, für den sich seriöserweise nur wenige Prognosen treffen lassen, sagt der Politologe, der seit Jahrzehnten schwerpunktmäßig zu Rechtspopulismus forscht.
Ungarns Premier war ein Vorbild der Rechten. In der FPÖ leckt man Wunden – an der Parteispitze und an der Basis. Bei den US-Midterms könnte die nächste bittere Schlappe blühen
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