Die unsichtbare Welle – Ebola breitet sich aus und vor Ort fehlt längst mehr als nur Zeit
Im Osten des Kongos wächst die Angst nicht wegen einer Schlagzeile, sondern wegen Menschen, die innerhalb weniger Tage zusammenbrechen. Ein Sohn klagt über Schmerzen in der Brust, beginnt zu weinen, verliert Blut und stirbt. Eine Mutter steht daneben und kann nur noch zusehen. Familien dürfen ihre Toten nicht mehr waschen, keine letzte Berührung, kein Abschied wie früher. Mitarbeiter in Schutzanzügen übernehmen die Körper und bringen sie zu gesicherten Bestattungsorten. Angehörige stehen daneben und sehen zu, wie die Krankheit selbst den letzten Moment verändert. Die Weltgesundheitsorganisation spricht zwar von einem geringen weltweiten Risiko, gleichzeitig klingt der Ton vor Ort deutlich härter. Die Sorge richtet sich nicht auf ferne Szenarien, sondern auf das, was bereits geschieht. Über 130 Verdachtsfälle mit Todesfolge stehen inzwischen im Raum, fast 600 Verdachtsfälle werden untersucht und Fachleute gehen davon aus, dass die wirkliche Zahl deutlich höher liegen könnte. Offiziell wurden bisher 51 Fälle im Kongo und zwei in Uganda bestätigt. Gleichzeitig warnen Fachleute, dass die tatsächliche Zahl möglicherweise bereits über tausend liegen könnte.
Besonders schwierig macht die Lage die Virusvariante selbst. Es handelt sich um das seltene Bundibugyo-Ebolavirus. Wochenlang blieb es unentdeckt, weil zunächst nach einer anderen, häufigeren Ebolaform gesucht wurde. Während getestet wurde, breitete sich das Virus weiter aus. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass der Ausbruch vermutlich schon vor Monaten begonnen haben könnte. Die Lage im Osten des Kongos war bereits vor Ebola schwer genug. Bewaffnete Gruppen kontrollieren Teile der Region, Menschen wurden vertrieben und Krankenhäuser arbeiten seit Jahren unter enormem Druck. In manchen Kliniken liegen mögliche Ebola-Patienten inzwischen neben Verletzten oder anderen Kranken, weil Isolationsstationen fehlen. Ärzte berichten offen, dass ihnen Personal, Ausbildung und Schutzausrüstung fehlen. Manche Einrichtungen erklären bereits jetzt, sie seien voll.